Kennt Ihr das auch? Wenn Kinder richtig wütend werden, kriegen wir Eltern ganz schön was zu hören: ‚Ich hasse dich! Ich will nicht mehr dein Kind sein!‘ Aua, das tut weh. Und macht sauer. Schnell holen wir zum verbalen Gegenschlag aus: ‚Wenn ich so gemein bin, muss ich Dir ja auch nichts vorlesen!‘

Verletzung und Gegenverletzung. Und am Ende haben alle verloren.

Wie kann es anders gehen?

Ich finde es wichtig, sich klar zu machen: WAS ein Kind in seiner Verzweiflung sagt, ist lange nicht so wichtig oder bedeutsam, wie wir oft glauben. Entscheidend ist, WIE es das sagt: wütend, verletzt, verzweifelt, enttäuscht.

Und was braucht ein wütender, verzweifelter Mensch? Trost, Trost, und noch mal Trost.

Den zu spenden, fällt aber natürlich schwer, wenn man gerade so angemacht wurde.

Deshalb müssen wir die Worte für uns anders übersetzen.

„Ich will, dass du nicht mehr meine Mama bist!“ heißt in Kinderwutsprech: „Ich bin so verzweifelt, dass ich gerade am liebsten gar nicht mehr ich selbst wäre.“

„Ich hasse dich“ heißt „Ich bin so unglaublich wütend, dass ich nichts anderes mehr spüre als dieses Gefühl.“

„Du bist die gemeinste Mama auf der Welt“ heißt „Ich komme gerade nicht damit klar, dass ich nicht alle Entscheidungen, die mich betreffen, alleine treffen kann und darf. Dadurch fühle ich mich fremdbestimmt, und das hasse ich.“

 

Wenn ich diese Aussagen hinter den Aussagen meiner Kinder höre, komme ich an einen Ort, an dem ich nicht mehr verletzt bin, sondern voller Verständnis.

Dass ich nicht beschimpft werden will, kann ich meinem Kind natürlich trotzdem sagen – aber nicht in der Situation, sondern wenn mein Kind wieder ruhig und damit aufnahmefähig ist.