Nora Imlau und ihre Töchter

Die schwierigen Wurzeln des „Attachment Parenting“

Kinderarzt Willliam Sears in Aktion (Quelle: Time Magazine)

Kinderarzt Willliam Sears in Aktion (Quelle: Time Magazine)

Disclaimer: In der Diskussion, die sich auf meiner Facebook-Seite nach meiner Veröffentlichung dieses Artikels entwickelte, habe ich erfahren, dass sich einige Menschen durch meine Beschreibung evangelikaler Christen in den USA in ihren eigenen religiösen Gefühlen verletzt gefühlt haben. Deshalb habe ich meinen Text noch einmal überarbeitet.

Eine Haltung, eine Bewegung, eine Gemeinschaft, aber auch ein gemeinsames Feindbild: „Attachment Parenting“ kann vieles sein und wird von verschiedenen Menschen naturgemäß sehr verschieden verstanden und interpretiert. Dabei gibt es eigentlich eine sehr klare Definition davon, was „Attachment Parenting“ ist und was es nicht ist. Diese Definition stammt von dem US-amerikanischen Kinderarzt Dr. William Sears, der den Begriff „Attachment Parenting“ erfunden und bekannt gemacht hat – auch wenn es den nähebetonten, bindungsorientierten Betreuungsstil, den er beschreibt, natürlich schon viel länger gab. Die Idee des „Attachment Parenting“ ist also unzweifelhaft mit seinem „Erfinder“ verknüpft – und das ist nicht unproblematisch. Denn: So sympathisch und kinderlieb Sears sich auch öffentlich präsentiert und inszeniert, er ist nicht einfach nur der nette Kinderarzt von nebenan, der sich für mehr geborgene Babys stark macht. Nein: Sears hat seine „Attachment Parenting“-Philosophie auf der Grundlage des Menschenbilds fundamentalistisch-evangelikaler Christen entwickelt.

Das heißt: Er ist nicht einfach gläubiger Christ (so wie ich und viele andere Menschen auch), der Erfindung des Attachment Parenting liegt vielmehr eine ausgesprochen konservative, wortgetreue Auslegung der Bibel zugrunde, auf der typischerweise Grundüberzeugungen wie diese fußen:

Die Ehe ist ein gottgegebener Bund zwischen Mann und Frau.
Sexualität gehört ausschließlich in die Ehe.
Abtreibung ist Mord.
Homosexualität ist eine Sünde.
Transsexualität gibt es nicht.
Ein Ehegelübde gilt bis zum Tod, egal was innerhalb der Ehe passiert.
Es gibt feste, gottgegebene Rollen für Frauen und für Männer.


Viele konservative „Evangelical Christians“ in den USA zweifeln außerdem den menschengemachten Klimawandel an, halten den Islam für eine der größten Bedrohungen unserer Zivilisation und verteidigen das Schlagen von Kindern mit Bibelzitaten.

Und ein Vertreter dieser Gemeinschaft soll das Vorbild bindungsorientierter Eltern auf der ganzen Welt sein?

Es ist an der Zeit, dass sich die „Attachment Parenting“-Community dieser Frage stellt – auch in Hinblick darauf, ob der Begriff im deutschsprachigen Raum überhaupt noch verwendet werden oder lieber durch eine unbelastetere Bezeichnung ersetzt werden sollte. Um diese Debatte führen zu können, ist es aus meiner Sicht wichtig, sich genauer anzuschauen, wie Sears, sein Glaube und „Attachment Parenting“ zusammen hängen. Dann nämlich stellen wir fest:

1. Sears ist konservativer, evangelikaler Christ. Er legt sich aber auch mit seiner eigenen Gemeinde an.
In den USA ist das Schlagen von Kindern in allen 50 Bundesstaaten erlaubt und wird auch von der Mehrzahl der amerikanischen Eltern praktiziert – allen voran von evangelikalen Christen, die von ihren Geistlichen regelrecht darauf eingeschworen werden, dass es unbiblisch sei, auf die häuslichen Prügel zu verzichten. Sears hingegen setzt sich seit Jahrzehnten für eine gewaltfreie Erziehung ein und gibt explizit auch evangelikalen Eltern biblische Argumentationen gegen das Schlagen von Kindern an die Hand. Damit hat er viel dafür getan, dass mehr und mehr Kinder auch streng gläubiger evangelikaler Christen gewaltfrei groß werden dürfen.

2. Sears ist evangelikaler Christ – aber wie evangelikal, weiß keiner so genau
Aus seinem Glauben macht William Sears keinen Hehl, doch zu den klassischen evangelikalen Aufreger-Themen hält er sich in der Öffentlichkeit weitgehend. bedeckt. So ist mir von ihm persönlich keine islamfeindliche oder klimawandelleugnende Aussage bekannt. Ein Thema, bei dem er sich hingegen klar positioniert, ist das Thema Abtreibung behinderter Kinder: Als Vater eines Sohnes mit Down-Syndrom vertritt er auch öffentlich die Haltung, dass das Lebensrecht eines Menschen – ob behindert oder nicht – bereits im Mutterleib beginnt. Darüber hinaus vertritt er in einem Buch speziell für Väter die Ansicht, eine gute Vaterfigur zu haben verhindere, dass Söhne homosexuell würden. In diesem Zusammenhang schreibt er, dass Homosexualität in der heutigen Zeit ja leider als ein akzeptabler Lebensstil verkauft würde – eine Ansicht, der er unbedingt widersprechen müsse. Wie er zu anderen typischen Streitthemen steht, weiß keiner so genau. Es kann gut sein, dass er innerhalb des evangelikalen Christentums eher dem moderaten Flügel zuzurechnen ist – dafür sprechen einige Aussagen insbesondere in seinen späteren Büchern. Es ist aber auch wahrscheinlich, dass er im Bundestag gegen die „Ehe für alle“ gestimmt hätte.

3. Sears Glaube spielte bei der Entstehung von „Attachment Parenting“ durchaus eine Rolle
Der Gedanke, dass junge amerikanische Eltern einen neuen, bindungsorientierten Leitfaden für die Babyzeit brauchen, kam William Sears bei der Lektüre von Jean Liedloffs „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“. In dem Zustand intuitiver Glücksseligkeit durch ein tiefe, vertrauensvolle Bindungserfahrungen, den Liedloff in ihrem Werk über das Leben der Yequana so eindrucksvoll beschreibt, sieht Sears die Entsprechung der biblischen Botschaft: Wer so lebt, wie Gott es für ihn vorgesehen hat, dem wird es wohl ergehen. In Bezug auf junge Eltern heißt das für Sears: Wenn Frauen sich der für sie von Gott vorgesehenen Mutterrolle voll und ganz hingeben und ihrem Kind nicht nur all ihre Milch, sondern auch all ihre Nähe und Liebe geben, und wenn ihre Männer sie dabei hingebungsvoll unterstützen – dann ist das Paradies auf Erden möglich.

4. Sears ist nicht nur Christ, sondern auch Wissenschaftler und Arzt – und auch das hatte Einfluss auf die Entstehung von „Attachment Parenting“
Auch wenn Sears‘ Glaube unzweifelhaft dazu beitrug, dass Sears die Idee des „Attachment Parenting“ entwickelte – die entscheidende Grundlage für seine Baby-B waren nicht Bibelzitate, sondern seine Erfahrungen und sein Wissen als Kinderarzt. Als solcher beschäftigte Sears sich intensiv nicht nur mit der Bindungstheorie von John Bowlby, sondern auch mit den unterschiedlichen Bindungsmustern, die er in seiner tagtäglichen pädiatrischen Praxis beobachten konnte. Er sah sie jeden Tag, die Mütter, die Angst hatten, ihre Babys auf den Arm zu nehmen, um sie nicht zu verwöhnen. Die Frauen, die ihre Babys nicht stillen konnten, weil es ihnen schlicht an einfühlsamer Begleitung fehlte. Die übermüdeten Eltern, die sich schlecht fühlten, weil sie es nicht schafften, ihre Kinder schreien zu lassen – die aber auch nie gewagt hätten, sie einfach mit ins eigene Bett zu nehmen. Dieses Wissen und diese Erfahrungen bildeten das Fundament für Sears „Attachment Parenting“.

5. Sears hat „Attachment Parenting“ nicht nur erfunden, sondern auch gelebt
William Sears hat gemeinsam mit seiner Frau Martha acht Kinder. Die ersten vier davon, so erzählt er offen, hat das Ehepaar Sears relativ klassisch großgezogen, mit Kinderwagen und eigenem Bettchen – so, wie es der Kinderarzt Sears kannte und als richtig gelernt hatte. Baby Nummer 5 brachte dann die Wende: Als besonders bedürfnisstarkes Kind schrie es, sobald es keinen Körperkontakt hatte – und brachte damit seine Eltern zum Umdenken: Haben Menschenbabys nicht vielleicht doch ganz andere Bedürfnisse? Diese persönliche Erfahrung war der Auslöser dafür, dass Sears sich als Wissenschaftler, Arzt und Vater intensiv mit den angeborenen Grundbedürfnissen von Menschenkindern befasste und feststellte, dass der in westlichen Industrienationen verbreitete Betreuungsstil diesen Bedürfnissen nicht entspricht. Diese Erkenntnis ist bis heute einer der Grundpfeiler des „Attachment Parenting“ – und sorgte dafür, dass Sears später mit seinem „Fussy Baby Book“ („Das 24 Stunden Baby“) allen Eltern mit einem ähnlich anspruchsvollen Baby die beruhigende Botschaft überbringen konnte: Es gibt Babys, die sind einfach so – Ihr seid nicht daran schuld!

6. „Attachment Parenting“ ist nicht zufällig auch das Werk einer Stillberaterin
William Sears‘ Ehefrau Martha ist nicht nur Krankenschwester, sondern auch Stillberaterin. Sie war bereits für die amerikanische La Leche Liga aktiv, als Stillen in den USA noch als absolut veraltete schlechte Alternative zur modernen Fläschchennahrung galt. In ihrer Ausbildung zur Stillberaterin hatte Martha Sears gelernt, was damals noch kaum jemand wusste: Wie wertvoll Stillen für die Mutter-Kind-Bindung ist, auf wie vielfältige Weise das Stillen die Gesundheit von Mutter und Kind beeinflusst, wie lange Stillzeiten für Menschen eigentlich „artgerecht“ sind. All diese Erkenntnisse brachte sie stark in die Entwicklung des „Attachment Parenting“ ein – inklusive der Radikalität, mit der die La Leche Liga sich damals gegen die Übermacht der Babynahrungsindustrie für das Stillen stark machte.

7. Von der Selbstaufopferung zur Selbstfürsorge

In seiner ursprünglichen Version basierte das Sears’sche „Attachment Parenting“-Modell auf nur fünf Baby-Bs, die ausschließlich die Bedürfnisse des Kindes im Blick hatten und einen starken Fokus darauf legten, dass es der Job der Mutter sei, all diese Bedürfnisse zu erfüllen. In der Praxis merkte das Ehepaar Sears dann jedoch schnell, dass es Mütter zwar einerseits entlastete, wenn ihnen ein Kinderarzt endlich die Erlaubnis gab, auf ihr Herz und die Signale ihrer Babys zu hören – dass sie andererseits aber auch schier zusammen brachen unter der Anforderung, 24 Stunden am Tag alleine dafür verantwortlich zu sein, jedes Bedürfnis ihres Babys sofort zu erfüllen. Deshalb ergänzten die Sears ihre „Attachment Parenting“ um den Baustein „Balance and Boundaries“, um klar zu machen: Es geht nicht um Selbstaufopferung, sondern um eine gesunde Balance der Bedürfnisse aller Familienmitglieder, und Eltern müssen dabei unbedingt auch gut auf ihre persönlichen Grenzen achten.

8. Sears macht „Attachment Parenting“ zu einer Idee für alle

Wo auch immer die persönlichen Wurzeln für seiner „Attachment Parenting“-Idee liegen mögen: William und Martha Sears legen größten Wert darauf, „Attachment Parenting“ frei von jeder ideologischen Vereinnahmung zu halten. In ihrem „Attachment Parenting Book“ findet sich nicht ein einziger Verweis auf Gott oder ihren christlichen Glauben, und kein einziges Bibelzitat. Stattdessen: Jede Menge Offenheit für alle möglichen Lebensentwürfe und Lebensstile. Die Sears betonen, dass es viele unterschiedliche Wege gibt, Bindung zu leben, und dass Väter alles tun können, was auch Mütter tun – mit Ausnahme des Stillens. Sie stärken Frauen den Rücken, die nach der Geburt länger als es in ihrem Umfeld verbreitet ist zu Hause bleiben wollen (zur Erinnerung: In den USA gibt es weder Elternzeit noch Elterngeld, und keinen gesetzlich festgelegten, bezahlten Mutterschutz), zeigen aber auch bindungsfreundliche Wege auf, bindungsorientierte Elternschaft und Berufstätigkeit miteinander zu vereinbaren – nicht ohne darauf zu verweisen, dass auch die achtfachte Mutter Martha Sears immer, und immer gerne, berufstätig war. Sie berücksichtigen die besondere Lebenssituation von Alleinerziehenden, werben für gegenseitige Unterstützung zwischen Familien, und warnen vor Perfektionismus und Mütter-Burnout. Kein Wunder, dass das Buch ganz unterschiedliche Familien auf ihrem Weg bestärkt und von traditionellen christlichen Großfamilien im Bible Belt ebenso gekauft und gelesen wird wie von modernen Patchwork- oder Regenbogenfamilien in Kalifornien oder New York.

9. „Attachment Parenting“ ist zu einer Bewegung geworden
William Sears hat den Begriff „Attachment Parenting“ erfunden und gemeinsam mit seiner Frau die Philosophie geprägt. Doch die Idee ist seitdem weiter gewachsen und hat sich nach und nach auch von ihrem Erfinder gelöst und weiter entwickelt. So machen sich heute unter der gemeinsamen Flagge des „Attachment Parenting“ Expertinnen und Experten, aber auch Mütter und Väter weltweit für ein neues, bindungsorientiertes Familienleben stark und führen die Idee dabei viel weiter, als Sears dies ursprünglich im Sinn hatte: Ging es ihm um eine neue Haltung im Umgang mit Säuglingen, also um bindungsorientierte Strategien für die Babyzeit, gibt es heute auch Anregungen zum bindungsorientierten Familienleben mit Grundschulkindern und Teenagern – und zwar nicht von Sears himself, sondern von Männern und Frauen, die sein Erbe weitertragen. Unter diesen modenen AP-Vertretern finden sich zum Glück kaum fundamentalistische Christen, dafür viele weltoffene, tolerante Menschen, die für Respekt und Vielfalt eintreten.

10. Das deutsche „Attachment Parenting“ ist nicht das amerikanische „Attachment Parenting“
Als ich vor über zehn Jahren anfing, über bindungsorientierte Elternschaft zu schreiben, habe ich es aus gutem Grund vermieden, dabei je den Begriff „Attachment Parenting“ zu verwenden. Denn ich wusste: Wenn die deutschen Öffentlichkeit das bedürfnisorientierte Familienleben, das ich ihr mit meinen Texten gerade nahe zu bringen versuche, mit einem sexistischen fundamental-christlichen amerikanischen Kinderarzt in Verbindung bringt, ist es mit der Akzeptanz für diesen neuen Weg gleich vorbei. Also schrieb ich über Bindung und Bedürfnisse, ohne je den Namen Sears zu nennen, und fuhr damit gut.
Doch je bekannter und verbreiteter die bindungsorientierte Idee in Deutschland wurde, desto mehr Menschen wollten auch wissen, wo diese Idee eigentlich her kommt, wer noch darüber geschrieben hat, auch: ob es dafür eigentlich irgendwelche Kronzeugen gäbe, möglichst welche mit medizinischem Hochschulstudium und Doktortitel?
Und so schwappte der Begriff eben doch nach Deutschland, tauchte in ersten Internetforen und Facebookgruppen auf, als Sammelbegriff und Erkennungsmerkmal: „Wer hier lebt eigentlich noch AP?“
Spätestens mit dem ersten Attachment Parenting Kongress 2014 in Hamburg war der Name für die bindungsorientierte Szene im deutschsprachigen Raum dann auch gesetzt. (Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich damals mit Frauke und Diana noch über alternative Namen diskutierte, die nicht den direkten Bezug zu Sears aufmachen würden, um zu vermeiden, dass der ganze Kongress irgendwie als radikal-evangelikale Veranstaltung wahrgenommen hat – aber „Kongress für bindungsorientierte Elterschaft“ klang einfach zu sperrig und unattraktiv.) Und wir, die wir hier in Deutschland über bindungsorientierte Elternschaft schrieben und uns für ein neues Familienleben stark machten (etwa meine Freundinnen Julia Dibbern, Nicola Schmidt und Susanne Mierau) galten plötzlich als die „deutschen AP-Vertreterinnen“ – auch wenn wir selbst den Umgang mit Kindern, für den wir einstanden, bis dahin lieber als „geborgen“, „liebevoll“, „bedürfnisorientiert“, „bindungsfreundlich“ oder „artgerecht“ bezeichnet hatten. Mit den sieben Baby-B und der respektvollen Grundhaltung des amerikanischen „Attachment Parenting“ können wir uns glaube ich alle identifizieren – nicht aber mit den teilweise sexistischen, fundamental christlichen Ursprüngen der Bewegung. Im Gegenteil: Gleichberechtigung, Toleranz und Feminismus sind für uns wichtige Themen, für die wir uns gerade im Rahmen unseres „Attachment Parenting“-Verständnisses immer wieder stark machen.

Und jetzt?

Sollten wir uns angesichts der Geschichte des „Attachment Parenting“-Begriffs dazu entscheiden, unseren Weg lieber anders zu nennen? Brauchen wir überhaupt einen Namen für einen Umgang mit Kindern, der sich für uns schlicht und einfach normal anfühlt?

Aber wenn wir keinen haben: Wie grenzen wir dann die vielen absolut berechtigten unterschiedlichen Wege, gute Eltern zu sein, entschieden von Wegen ab, die aus unserer Sicht dem Bindungsbedürfnis von Kindern radikal entgegen stehen – etwa, weil auf Schlaflernprogramme und andere beziehungsschädigende Maßnahmen gesetzt wird?

Können wir es schaffen, den Begriff des „Attachment Parenting“ für uns neu zu definieren und die Idee so von ihrem Image des Selbstausbeuterischen, Sexistischen zu befreien? Oder wird ihr Ursprung in konservativ-intoleranten fundamental christlichen Kreisen immer an dem Begriff haften wie ein alter Kaugummi, den man einfach nicht mehr los bekommt?

Was denkt Ihr dazu? Ich bin gespannt auf Eure Gedanken!

Eure Nora

#Attachment Parenting #APfuermich #AttachmentFeminism #WilliamSears #MarthaSears

Veröffentlicht unter Buch-Blog | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

7 Kommentare zu “Die schwierigen Wurzeln des „Attachment Parenting“”

  1. [...] einige evangelikale Prediger aus der Bibel heraus ableiten wollten. Nora Imlau hat dies in ihrem Artikel wunderbar herausgearbeitet und belegt. Gerade deshalb ist es mir schleierhaft, warum ausgerecht [...]

  2. danke! eine wichtige Anregung zur „Nabelschau“

  3. [...] Nachtrag: Nora Imlau hat einen umfassenden und interessanten Text über die Genese der Begrifflichkeit, seine Aneignung im deutschsprachigen Raum, William Sears und ganz wichtige offene Fragen (an jene, die zu AP in der Öffentlichkeit beraten) geschrieben: Die schwierigen Wurzeln des „Attachment Parenting“ [...]

  4. Karlotta sagt:

    Schöner Artikel. Noch schöner wäre er, wenn du den Namen des Protagonisten richtig geschrieben hättest. Willliam mit 3 lll???

  5. Liebe Nora,

    Vielen Dank für diese fundierten Ausführungen!
    In Deinem drittletzten Ansatz stellst Du die in Mmeinen Augen wichtigste Frage: brauchen wir überhaupt einen Namen für den Umgang mit unseren Kindern?

    Ich hab für mich diese Frage schon seit längerem mit einem eindeutigen Nein beantwortet – und surfe seitdem wesentlichcstabiler durchs Mama-Sein.

    Alles Liebe,
    Isabel

  6. Stephie sagt:

    Liebe Nora,

    …und wieder habe ich etwas Neues gelernt! Danke für deinen Beitrag. Ich habe noch nie gehört und gewusst, was Sears seine 7 „B“s sind. Meine Tochter und ich leben eine bindungs- und bedürfnisorientierte Beziehung von Anfang an (seit sie 15 Monate ist sind wir allein). Alles fühlte sich natürlich und richtig auf diese Art und Weise an. Irgendwann unterhielten eine Freundin und ich uns darüber, wie wir uns unseren Kindern gegenüber verhielten und stellten viele Parallelen fest. Darauf hin lud sie mich in eine FB-Gruppe ein und BÄM – ich wusste wo ich hingehöre! :D
    Und nicht nur das: Ich lernte, dass es einen Namen für diese Art der Beziehung zwischen meiner Tochter und mir gibt. „Bedürfnis-/bindungsorientiert“. Irgendwann lernte ich den Begriff „AP“ kennen und hatte mich auch etwas belesen. AP ging mir dennoch ungern über die Lippen. In meinem Bekannten- und Freundeskreis war bindungsorientert schon verpönt.

    Ich muss ganz ehrlich sagen: Mir ging es genauso gut, als ich noch keinen Namen für den Stil des Großziehens hatte. Warum auch? Mit AP habe ich mich auch nie identifiziert als Wort. Bedürfnisorientiert oder bindungsorientiert traf den Nagel für mich immer auf den Kopf. Außerdem hatte ich nach einiger Recherchen den Anschein, dass innerhalb der AP-Community gern Eltern verurteilt wurden, die nicht 100% von allen AP-Kriterien lebten. Ich zum Beispiel konnte meiner Tochter nicht die Brust geben, habe 8 Monate abgepumpt und danach bis heute (sie ist 2,5 Jahre) Pulvermilch gegeben. Aber deswegen bin ich dennoch aus tiefstem Herzen bindungsorientiert.

    Vielleicht wäre es wirklich an der Zeit, starre Regeln aufzubrechen und nur einen Rahmen zu nennen. In diesem Atemzug ist es natürlich angebracht, eine andere Bezeichnung zu wählen als Sears, sollte dieser wirklich ein strenges Regelbuch aufgestellt haben. Ein solches Regelwerk würde ja jedem Sinn von bedürfnisorientiert widersprechen. Und ja richtig, auch die Verbindung zu einem fundamentalen Glauben schadet womöglich der Akzeptanz und gibt Angriffspunkte, wo eigentlich keine sind und somit auch keine unterstellt werden müssten.

    Viele Grüße :)

    Ich freue mich wie immer mehr und wieder von dir zu lesen!

    Viele Grüße

  7. Inga sagt:

    Liebe Nora,

    vielen Dank für diesen spannenden und gut recherchierten Artikel über William Sears und Attachment Parenting.

    Mir war das meiste über William Sears in diesem Artikel neu. Wir hatten und nach der Geburt unseres Sohnes (mittlerweile ist er 3) sein Buch „Schlafen und Wachen“ geholt, weil es uns von unserer Hebamme empfohlen wurde. Wir hatten und haben stark mit den „alten“ Erziehungsmethoden im kompletten familiären Umfeld zu kämpfen, sodass uns dieses Buch, in dem alles kurz, bündig und auch wissenschaftlich untermauert war, wie eine Rettung erschien. Ich habe darin nichts als radikal empfunden, eher war alles sehr weich und dehnbar: eben so, dass es zu den meisten Lebensentwürfen passt.
    Den eigentlichen Begriff Attachment Parenting habe ich erst auf Facebook wiedergefunden, als ich von einer Freundin in die gleichnamige Gruppe eingeladen wurde. Dort habe ich mich durch die verschiedenen Beiträge gelesen, die teilweise wirklich extrem polarisierend und radikal geschrieben sind und andere Haltungen von oben herab betrachten und belächeln. Seit dem ich dort von AP lese, fühle ich mich unwohl, wenn es um die Bezeichnung geht. Denn dort ist AP viel mehr: die komplette Selbstaufopferung der Mutter und das Hineinversetzen und Akzeptieren von jeglichem Verhalten des Kindes. Ohne Kompromisse. Außerdem wirkt AP reglementierter, man muss alles machen, sonst ist man schlechter als die Anderen.
    Das ist meiner Meinung nach mittlerweile das Problem mit AP, William Sears und seine Haltung setzen dem ganzen dann wahrscheinlich nur den Hut auf.