Nora Imlau und ihre Töchter

#Vereinbarkeitsgeschichten: Mein Beitrag zur Blogparade

Für mich war schon immer klar, dass ich beides will: Eine Familie. Und einen Job, der mich erfüllt. Die perfekte Lösung dafür haben mir meine eigenen Eltern vorgelebt: Als Lehrer konnten sie, als mein Bruder und ich klein waren, beide einige Jahre Teilzeit arbeiten und sich gleichberechtigt um uns Kinder kümmern. Und als wir größer und selbstständiger wurden, kehrten sie einfach in ihre Vollzeitstellen zurück. Für uns Kinder war das super: Wir hatten viel Zeit mit Mama, viel Zeit mit Papa, viel Zeit mit beiden – und dazu Eltern, die stets in dem Job bleiben konnten, den sie liebten und der sie erfüllte.
Genau so wollte ich das auch machen. Doch es gab da einen winzig kleinen Unterschied: Wir sind keine Lehrer. In unseren Jobs gibt es keine Teilzeit, und dementsprechend auch kein Fifty-Fifty-Modell. Also mussten wir unsere eigene Lösung finden, Kinder und Karriere unter einen Hut zu kriegen. Davon will ich heute erzählen.

In welchem Bereich bist du tätig?
Ich bin Journalistin und Autorin, mein Mann ist Laborleiter in einem großen Chemiekonzern. Was bedeutet: Wir haben etwas völlig unterschiedliches studiert, arbeiten in ganz verschiedenen Welten, die ganz eigene Anforderungen an uns stellen. Nur eins haben unsere Jobs gemeinsam: „Ein bisschen arbeiten“ gibt’s bei uns nicht. Entweder ganz. Oder gar nicht.

Wie viele Kinder hast du? Wie alt sind sie?
Ich habe zwei Töchter. Linnea ist sieben Jahre alt, Annika vier.

Wann bist du in deinen Beruf zurück gekehrt? In welchem Umfang?
„Zurückgekehrt“ trifft es bei mir nicht ganz: Ich bin überhaupt erst in meinen Beruf eingestiegen, als mein erstes Kind bereits auf der Welt war. Ich bekam Linnea im Studium, und machte in ihrem Babyjahr mein Examen. Das heißt: Gearbeitet habe ich immer, sowohl vor als auch nach ihrer Geburt. Aber eben nicht im Job, sondern an meinem Schreibtisch. Dort schrieb ich meine Magisterarbeit, lernte für Prüfungen und verfasste nebenbei meine allerersten „Eltern“-Artikel. Nach der Geburt meiner zweiten Tochter Annika habe ich dann tatsächlich ein halbes Jahr mit dem Schreiben pausiert, bevor ich wieder meine ersten Interviews geführt habe.

Hast du bei deiner Rückkehr in den Beruf noch gestillt? Wenn ja, hast du Stillzeiten nach §7 MuSchG in Anspruch genommen? Wie lange? Wie war die Reaktion darauf?
Ich habe meine beiden Töchter jeweils gut zwei Jahre lang gestillt. Da ich immer von zu Hause aus gearbeitet habe, war das kein Problem. Zum Stillen wurden sie mir vorbei gebracht, danach schrieb ich einfach weiter. Meine jüngere Tochter wurde dann von ihrem siebten Lebensmonat an für einige Stunden pro Woche von einer wunderbaren Tagesmutter betreut. Da war sie allerdings schon ein begeistertes Beikost-Kind, so dass sie mit der Stillpause zwischen dem morgendlichen Abgeben und dem Abholen zur Mittagszeit problemlos zurecht kam. Für Reportagen über Nacht verreist bin ich bei beiden Kindern gegen Ende des zweiten Lebensjahrs. Da wusste ich, dass sie auch mal 24 Stunden am Stück ohne Muttermilch klarkommen. Wenn ich dann zurück war, tranken sie an der Brust als sei ich nie weg gewesen. Meine Kolleginnen und Kollegen waren manchmal überrascht, wenn ich meinen Mann und mein anderthalbjähriges Stillkind auf einen Auswärtstermin mitnahm, damit ich es zwischendurch stillen konnte. Negative Reaktionen habe ich daraufhin aber nie erlebt.

Wie hast du die Betreuung organisiert?
Als meine erste Tochter zur Welt kam, war auch mein Mann noch Student. Bei der Geburt unserer Jüngsten schrieb er gerade an seiner Doktorarbeit. Zum Glück machte ihn beides so flexibel, dass er unsere Kinder immer wieder auch tagsüber stundenweise betreuen konnte, wenn ich Zeit zum Arbeiten brauchte. Unser beider Arbeitspensum dauerhaft zu stemmen wäre aber nicht möglich gewesen ohne die Hilfe unserer tollen Tagesmutter, die Linnea ab ihrem 18. Lebensmonat und Annika sogar bereits nach ihrem 7. Lebensmonat liebevoll betreute. Später stellten dann erst eine Ganztagskita, dann ein Ganztagskindergarten und schließlich eine Ganztagsgrundschule unser Betreuungsnetz. Da wir bei der Qualität der Betreuung unserer Kinder keine Abstriche machen wollen, geht für diese Betreuungsplätze ein großer Teil unseres Familieneinkommens drauf – aber das ist es uns wert, unsere Kinder liebevoll und gut versorgt zu wissen.

Wie habt ihr Euch als Eltern die Arbeit aufgeteilt? Wer macht was und wann, wie verständigt ihr euch über die Aufteilung?
Von unserem 50/50-Ideal ist leider nicht allzu viel übrig geblieben: Mein Mann ist unter der Woche von morgens bis abends aus dem Haus, was bedeutet, dass ich unsere Kinder morgens wecke, fertig mache und zur Schule und zum Kindergarten bringe. Danach beginnt meine Arbeitszeit, nachmittags hole ich sie dann gegen 15 Uhr wieder ab und verbringe den Rest des Tages mit ihnen. Mein Mann stößt dann zum Abendessen dazu. Manchmal bringt er dann die Kinder ins Bett, manchmal ich – je nachdem, wer erschöpfter ist. Wenn die Kinder schlafen, gehört der Rest des Abends uns als Paar. Dann machen wir auch keinen Haushalt mehr, sondern nehmen uns wirklich Zeit für uns.
Um Küche, Bad und Wäsche kümmert sich dann an drei Tagen die Woche unsere Haushaltshilfe, während wir beide am Schreibtisch sitzen – anders wäre unser Pensum für uns nicht zu stemmen, ohne dass wir wirklich darunter leiden würden.

Wie hat es geklappt? Was sind deine Erfahrungen?
Ich bin mit unserem Modell sehr zufrieden: Wir haben zwei wunderbare Kinder, und können beide in unseren Traumjobs arbeiten – was will man mehr? Trotzdem müssen wir dafür natürlich einen Preis bezahlen: Am Wochenende kann ich oft nicht mit zum Familienausflug an die Ostsee oder in den Zoo, weil ich unter der Woche mit einem Artikel nicht fertig geworden bin, den ich am Montag abgeben muss. Und sowohl mein Mann als auch ich haben schon Klassenfeste, Weihnachtsaufführungen und Kinderchorkonzerte verpasst, weil wir in der Zeit auf Dienstreise waren. Wir wünschen uns manchmal mehr Zeit zu viert, mehr Zeit, in denen keiner von uns an die Arbeit denkt, und weniger drängende Deadlines und Termine. Aber dann treten wir einen Schritt zurück und sehen, was für ein Privileg es ist, unsere beiden Berufe mit unserem Wunsch von Familie vereinbaren und uns dabei die Hilfe organisieren zu können, die wir dafür brauchen. Und sind vor allem eins: dankbar.

Was würdest du dir wünschen, was anders/besser laufen sollte?

Ich würde mir wünschen, dass es auch in den großen Männerdomänen wie etwa der Chemie- oder der Automobilindustrie selbstverständlich möglich wäre, dass junge Väter für einige Jahre in Teilzeit arbeiten können, ohne damit ihre Chance auf eine berufliche Weiterentwicklung im Unternehmen zu verwirken. Nach der Geburt eines Babys zwei Monate Elternzeit zu nehmen, gilt zwar selbst in sehr traditionellen Häusern mittlerweile als okay, aber danach wird insbesondere von Männern erwartet, dass sie selbst verständlich mit 100% Arbeitszeit weiterpowern – die Frau kann ja in Teilzeit gehen. Das finde ich ungerecht und reaktionär, und es ärgert mich, dass wir es letztlich auch nicht geschafft haben, uns gegen dieses omnipräsente Bild zu stellen. Auch bei uns ist schließlich der Papa ganztags arbeiten, und ich als die Mama organisiere meine Arbeitszeit als flexible Freiberuflerin um die Betreuungszeiten unserer Kinder herum. Fifty-Fifty für beide, sowohl im Job als auch in der Familie, ist deshalb aus meiner Sicht immer noch die beste Lösung für Familien, in denen beide Eltern berufstätig sein wollen. Und ich wünsche mir von Herzen, dass solche Lösungen in Zukunft nicht nur von Lehrern, sondern von allen jungen Eltern realisiert werden können.

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